Quartierverein Wipkingen

Ballenberg oder Manhatten?

Städtebaulich beobachten wir in Zürich zwei Tendenzen: Auf der einen Seite muss alles so bleiben wie es ist und auf der anderen Seite wird geklotzt (bzw. ge-hotzt!) was das Zeug hält.

Am Fusse unseres schönen Südhanges plant der Stadtrat ohne wesentlichen Einbezug des Gemeinderates einen Riesenturm, der grosse Teile des neuerstellten Wipkingerparks stundenlang in schattiges Dunkel taucht. Das knapp 100 Meter hohe «Kleeblatt» (Architekt Theo Hotz) überragt den Bluewin-Turm um ca. 30% und nimmt mit seinem 70er-Jahre-Stil zu diesem keinerlei architektonischen Bezug.

Ähnlich «urban» soll der Röschibachplatz gestaltet werden: Auch hier wird ein schattiger Aufenthaltsort geplant. Der alte Bahnhof und das Restaurant Nordbrücke sollen ebenfalls einem «kleinen» Hochhaus weichen, der ca. doppelt so hoch ist wie das erste Haus am Dammweg.

Der Stadtrat greift diesen Grossprojekten kräftig unter die Arme und sieht hier keinerlei nachbarrechtliche oder baurechtliche Vorschriften gefährdet. Anders wenn ein Privater einen Velounterstand oder gar einen Balkon an seine Hausfassade bauen möchte:

Bei kleinen Projekten ist es kaum möglich, die vielen rechtlichen und ästhetischen Bedenken des Hochbauamtes zu zerstreuen, selbst wenn die Nachbarn nicht einmal Einsprache erheben. Offenbar ist es städtebaulich wichtig, private Bausubstanz unverändert im Baustil der 30-er Jahre zu belassen, neue Bedürfnisse hin oder her.

Ballenberg oder Manhatten? Am liebsten beides nicht. Wir brauchen ein urbanes Zentrum, auch Hochhäuser und auch alte Bausubstanz. Aber beides sollte nicht übertrieben werden.

 Ursula Wild, Präsidentin QV Wipkingen